2011: Martigny - Aussois - La Salles-les-Alpes - Demonte - Saint-Jean-de-Maurienne - Martigny (5 Tage)

  • Start und Ende: Martigny, Schweiz
  • Länge: 1260 km
    (1.Tag 275 km, 2. Tag 215 km, 3. Tag 145 km. 4. Tag 365 km, 5.Tag 260 km)
  • Dauer: 5 Tage
  • Orte:
    Großer St. Bernhard Pass - Aosta - Morgex - Kleiner St. Bernhard Pass - Val d`Isere - Col de Iseran - Colle San Carlo - Lanslebourg - Aussois (Ende 1. Tag) - Aussois - Saint-Julien-Mont-Denis - Col du Mollard - Col de la Croix de Fer - Col du Glandon - Alpe d`Huez - Col du Sarenne - Col du Lautaret - La Salle-les-Alpes/Nähe Briancon (Ende 2. Tag) - La Salle-les-Alpes - Col d Izoard - Col de Valbelle - Col de Vars - Meyorennes - Col du Larche - Sambuco - Vinadio - Demonte (Ende 3. Tag) - Demonte - Vinadio - Col de la Lombarde - Isola - Col de la Bonette - Col de Restefond - Jausiers - Col de Vars - Guillestre - Col de Valbelle - Col d Izoard - Briancon - Col du Lautaret - Le Bourg d` Oisans - Col du Glandon - Saint-Julien-Mont-Denis (Ende 4. Tag) - Saint-Julien-Mont-Denis - Col de la Madeleine - Moûtiers - Bourg-Saint-Maurice - Roselendpass - Col de Méraillet - Col des Saisies - Saint-Gervais-les-Bains - Chamonix-Mont-Blanc - Col des Monets - Col de la Forclaz - Martigny (Ende 5. Tag)
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  • Das Motto der Tour lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: Temporäres Perfektions- Regentraining auf geilen Pässen!

    Bei der Festlegung des Termins haben wir eine etwas unglückliche Hand. Zunächst wegen des sehr wechselhaften Wetters (die Hälfte der Tour ist verregnet, die andere Hälfte sonnig bis regenfrei) und auch wegen der Überschneidung mit der alljährlichen Tour de France, die für uns umbenannt wurde in Tour de Wohnmobil-Völkerwanderung. Ein bisschen Erfahrung mit dem Giro d` Italia hatten wir ja schon, aber das was uns auf der Tour an Massen von Radfanatikern auf den Pässen begegnet ist, stellt alles in den Schatten. Das Beste ist, das es vollkommen wurscht ist, ob der Peloton dort gerade fährt oder nicht. Denn die Pässe stehen voll mit Wohnmobilen gepaart mit Lebensmüden, die ungebremst mit Ihren Rennrädern die Pässe herunter fetzen ohne Rücksicht auf irgendwas (z.B. auf uns ;-). Wow, ob da mal jemand geblitzt hat...? Aber wie hat es Klaus am treffendsten ausgedrückt: Radfahrer sind kein Hindernis...

    Los geht die Tour in Martigny im Hotel du Forum, in dem wir auch unsere Autos und Anhänger, mit denen wir die Anreise in die Schweiz bewältigt haben, für die Dauer der Tour abstellen können.
    Die Tour beginnt bei passendem Wetter: im Regen #GRMPF#. Dazu kommt, das Ralf`s Bandit ein paar - sagen wir mal - Schwierigkeiten hat. Die Batterie ist tiefenentleert und das Reifenventil im A...!
    So etwas steigert die Laune zu dem bescheidenem Wetter natürlich deutlich, zumal der zur Hilfe gerufene ADAC Pannendienst seinem Ruf als Pannendienst nicht unbedingt gerecht wird. Na ja , Sonntags kann man vermutlich nicht mehr erwarten, was zum Teil sicher auch an Verständigungsschwierigkeiten liegt. So fahren wir also ohne Ralf los, der bis Montag warten muss, um sein Bike auf Vordermann bringen zu lassen und uns dann zum zweiten Hotel folgt. Das Wetter lässt sich zu unser aller Überraschung im negativen Sinn noch weiter steigern. Am Großen San Bernardino Pass wählen wir alle den mautpflichtigen Tunnel statt des Passes. Ja, wir sind Weicheier, aber man muss dabei gewesen sein, bevor man sich ein Urteil erlaubt.

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    Die Steigerung des Ganzen finden wir am kleinen Sankt Bernhard Pass, wo die Fluten so gewaltig strömen, dass das Weiterfahren nur mit einem Schuss Selbstironie und genügend Schlechtwetter-Radarfähigkeiten möglich ist. Schlimmer kann es nicht kommen. Doch am Col de Iseran werden wir von noch mehr Wetter überrascht. Warum wollten wir nochmal im Juli fahren ? Ach ja, wegen des guten Wetters und der Sicherheit, dass die Pässe schneebedingt nicht geschlossen sind.

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    Am Abend erreichen wir Aussois. Das Hotel du Soleil ist klein und urig, aber trotzdem sehr empfehlenswert; auch weil der Wirt mit Deutschkenntnissen aufwarten kann (was in Frankreich nicht so selbstverständlich ist).

    Der zweite Tag entschädigt uns für die Widrigkeiten des Vortags. Das Wetter ist gut, die geilen Passstraßen in tollem Zustand und die bereits erwähnten Wohnmobile und hirnlosen Rennradfahrer treffen wir erst auf dem Weg nach Alpe d`Huez rauf. Die kleineren Pässe wie der Col du Mollard machen wahnsinnig Laune, zumal hier auch so gut wie kein Mensch unterwegs ist. Und auch beim Col de la Croix de Fer lässt sich trotz vieler Radfahrer noch vortrefflich die Kurven surfen.

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    Am Abend stößt auch Ralf wieder zu uns, der natürlich einen direkteren Weg nach Villeneuve/Briancon nehmen musste. Er ist über den Col de Galibier gefahren und hat ähnliche Erfahrungen mit dem Tour de France Tross gemacht wie wir Anderen. Dass er der Einzige sein wird, der einen der höchsten Pässe unserer Tour überqueren darf, wissen wir am Abend des zweiten Tourtages natürlich noch nicht.
    Das Hotel für diese Nacht in La Salle-les-Alpes, das so schlecht ist, dass wir hier nicht einmal den Namen erwähnen möchten, beschert uns einen unvergessenen Beschwerdeausbruch von Klaus. Der trägt sicher nicht zur deutsch-französischen Freundschaft bei, aber egal: Danke, Klaus!

    Nachdem wir das schlechte Wetter des ersten Tourtages bereits verdrängt haben, holt es uns leider am Mittag des dritten Tages wieder ein. Gott sei Dank haben wir noch genügend Zeit, den geilsten Pass der Tour trocken zu befahren: den Col de Izoard. Feinste Asphaltware gepaart mit breiter Straße, welches das Überholen gefahrlos und spielend leicht ermöglicht; dazu eine tolle Landschaft. Viva La France!

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    Am Col de Vars verdirbt uns dann das Wetter die Laune zum Weiterfahren komplett. Bei einer Einkehr beschließen wir, den Weg abzukürzen. Danke an den Wirt, der die Bewässerung seiner Wirtsstube durch sieben gummiüberzogene Mopedfahrer widerstandslos über sich ergehen lässt (Nicht, dass wir eventuelle französischsprachige Anmerkungen des Wirtes dazu verstanden hätten). Für die Weiterfahrt lässt es sich Ralf nicht nehmen, seine Ausrüstung persönlich mit dem Fön der Wirtsleute zu optimieren.

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    So fahren wir also auf fahren auf direkterem Weg über die Grenze nach Italien. Irgendwie komisch, das es ab der Grenze das Regnen fast schlagartig aufhört und uns Italiens Sonne entgegen lacht.
    Die anschließende, frustbedingte Bierschlacht im Garten des Hotels mit je 6€ pro Flasche beendet den mit nur 142 km kürzesten Tag der Tour (Die Frage warum wir dann nicht einfach weitergefahren sind, können wir bis heute nicht abschließend beantworten).

    Auf Italien ist (wetterbezüglich) Verlass: Das Wetter am nächsten Morgen lässt keine Wünsche offen, und frohen Mutes geht`s los - nachdem Stefan seinen Schlüssel wiedergefunden hat. Zuerst holen wir den verpassten Teil vom gestrigen Tag nach. Dabei stellt sich glücklicherweise heraus, dass der Abzweig nach Isola2000 über den Col du Lombarde kein Schotterpass ist, aber ein sehr schmales Asphaltband, bei dem man hellwach sein muss.

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    Die Abfahrt nach Isola präsentiert sich als exzellente Straße für Mopedfahrer wie uns. Tony lässt es hier richtig krachen, und auch alle anderen haben auch massig Spaß. Im weiteren Verlauf folgt der Col de La Bonette, der seinem Ruf als supertoller Pass gerecht wird. Wir lassen uns hier zu einem schnellen Ritt hinreißen, gepaart mit dem einen oder anderen schönen Drift, eben weil es hier einfach geht. Die Aussicht oben vom Pass ist ebenfalls grandios und erinnert ein bisschen an das Stilfser Joch.

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    Die Weiterfahrt über den wiederholt zu überquerenden Col de Vars wird nur durch die zwischenzeitliche Benzinknappheit von Klaus gebremst. Da wir - aufgrund des Wetters der Vortage und der Einschränkungen durch die Tour de France - echt Nachholbedarf haben, entschließen wir uns den Col de Izoard nochmal zu befahren, diesmal anders herum von der Südseite. Damit, so glauben wir, entgehen wir Allem, was mit der Tour de France zu tun hat: weit gefehlt.
    Kaum erreichen wir Briancon, geht die Völkerwanderung schon los. Von Briancon bis zum Col de Lautaret eine fast durchgehende Schlange aus diesen rollenden Hindernissen. Dann der nächste Tiefschlag: Der Col de Galibier ist geschlossen, obwohl der Peloton erst morgen hier eintreffen soll, aber der Pass ist offensichtlich schon zugeparkt! Das zwingt uns dazu, einen Umweg zu machen. Der führt uns über den Teil der Strecke, die wir zwei Tage zuvor schon mal gefahren sind. Dadurch dehnt sich die vierte Tagesetappe letztendlich auf 360 km aus, aber wenigstens das Wetter ist ok.

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    Angekommen im Hotel Restaurant Lancheton in Saint-Jean-de-Maurienne - einem 24-Stunden-Hotel mit roten Leuchtbuchstaben ;-) - gibt es nur unterschiedliche Meinungen über den richtigen Parkplatz unserer Untersätze. Tony und Enrico lieben Ihre Mopeds offensichtlich mehr als alle Anderen. Und Bei der abendlichen Tourbesprechung werden unter Anderem ungeahnte Verwendungs-Möglichkeiten für Boxer-Motoren erkannt und weidlich genutzt. Man lernt doch nie aus.

    Anscheinend sehen wir so gefährlich aus, dass der Wirt bereits abends um 24 Uhr die Begleichung aller Rechnungen verlangt. Das haben wir mitten in der Nacht natürlich freundlich, aber bestimmt, abgelehnt. Und die Begleichung der Komplettrechnung mit anschließender Aufteilung auf unsere Gruppe erfolgt erst am Morgen des letzten Tourtages. Aber immerhin wissen wir jetzt, warum es ein 24-Stunden-Hotel ist.
    Anfangs ist das Wetter am nächsten Tag in Ordnung und so geht es zunächst ohne Gummiüberzieher los. Leider dauert es nicht lange und wir müssen für den fast ganzen Rest der Tour in unsere Lieblingskleidung (Gummianzug) fahren.
    Ralf macht sein Fuß zu schaffen - er hatte sich einige Zeit vor der Tour verletzt - und fährt daher alleine und ziemlich direkt zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour nach Martigny. Wir Anderen lassen uns aber auf die Herausforderungen des letzten Tages ein und fahren wie geplant weiter über Bourg-Saint Maurice, den Cormet de Roseland nach Beaufort. Dort genießen wir bei der Mittagspause ein für französische Verhältnisse günstiges und sehr einfallsreich gestaltetes Mittagessen.
    Die Weiterfahrt nach Chamonix ist regenbedingt natürlich nicht mehr so der Hit. Tony und Enrico sparen sich dort die Pause und fahren schon mal voraus nach Martigny. Klaus, Jochen, Jörg und Stefan halten für einen letzten Cappu am Mont Blanc (nur sehen können wir ihn blöderweise nicht). Die letzten Kilometer über den Col de Montets sind dann nochmal trocken und verleiten uns zum letzten Mal zu ein sportiven Fahrweise: Wir sind ja schließlich zum Pässe fahren hierhergekommen.
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    Am Abend beenden wir unsere Tour mit einem schönen Abendessen in der Pizzeria. (Das Essen im Hotel ist zwar klasse - das haben wir bei Tourbeginn ausprobiert - aber deutlich zu teuer). Nach einer letzten Übernachtung geht es auf die Heimreise. Lediglich Enrico und Tony sind bereits am Vorabend aufgebrochen.

    Fazit: Eine schöne Tour aber mit eindeutig zu viel Regen. Irgendwie hat man das Gefühl, das man mit Frankreich noch ganz nicht fertig ist, da durch Regenwetter doch einige Kurven übriggeblieben sind. Das wird irgendwann eine weitere Tour in dieser Gegend erfordern. Aber es hat Spaß gemacht - und das ist ja die Hauptsache. Wie sehr, kann man in unserem Filmzusammenschnitt gut erkennen. Nochmals ein Dank an Klaus, der die Aufnahmen gemacht hat.